Aus Baum mach Buch!

 

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Bestimmt hat jeder von uns eine ungefähre Vorstellung davon im Kopf, wie aus einem im Wald stehenden Baum ein dickes und schön weißes Blatt Papier wird, doch von Prozessen wie Halbstofferzeugung, De-Inken oder Kalandern haben viele dann doch noch nichts gehört.

Gut erklärt sind diese Fachtermini aber eigentlich ganz einfach und total leicht nachzuvollziehen.

Ganz am Anfang war da mal ein Baum. Er stand mit seinen vielen Baumfreunden im Wald, ganz still und stumm. Bis dann wieder mal in allen Verlagen kurz vor den zwei Buchmessen, die jährlich in Frankfurt und Leipzig stattfinden, die Panik ausbricht, weil man doch unbedingt noch pünktlich zur Messe zahlreiche Neuerscheinungen bringen möchte, die man dann dort entsprechend bewerben kann.

Dann geht es dem Baum und seinen Baumfreunden an den Kragen.

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Doch noch können die inzwischen gefällten Bäume nicht weiterverarbeitet werden. Sie werden zunächst für zwei bis drei Wochen in einem Holzstapel gelagert und dort teilweise durch Bewässerung vor dem Austrocknen geschützt. Ziel dieser Lagerung ist es, den Feuchtigkeitszustand in allen gefällten Stämmen zu vereinheitlichen. Danach kann es weitergehen.

Damit wir am Ende der Papierherstellung ein gleichmäßig weißes Produkt erhalten, muss schließlich die dunkle Rinde vom Baumstamm entfernt werden (Entrinden).

Im Anschluss an das Entfernen der Rinde erzeugen wir sogenannte Hackschnitzel, die hinterher in Piles aufgehäuft werden. Dazu wird das Holz einfach in kleine Stückchen zerhackt, damit der Prozess des Zerfaserns später leichter vonstattengehen kann.

Der Prozess des Zerfaserns gestaltet sich etwas komplexer als die bisherigen Schritte (Fällen-Lagern-Entrinden-Kleinhacken). Es gibt im Grunde zwei Prinzipien des Zerfaserns. Möchte man die Hackschnitzel zu Zellstoff *1 verarbeiten, greift man auf die chemische Variante zurück, die fachlich korrekt Kochen genannt wird. Als „chemisch“ bezeichnet man es deshalb, weil beim Kochen eine Chemikalie zu den Hackschnitzeln gegeben wird, die das Lignin aus den Fasern entfernt.

|*1 Zellstoff enthält im Gegensatz zu Holzstoff kein Lignin mehr, wodurch das Papier nicht vergilbt

bild-2Möchte man Holzstoff herstellen, verwendet man die mechanische Zerfaserung, bei der die Hackschnitzel mittels Refiner*2 zermahlen werden. Am Ende dieses Prozesses verbleibt immer

*2Als Refiner bezeichnet man Maschinen, welche zur technologischen Entwicklung (Mahlung) von Fasern für die Papierproduktion verwendet werden.

(Seite „Refiner“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 2. April 2016 um 21:38 Uhr)

noch ein Rest Lignin im Papier, weshalb es zwar im Verkauf preiswerter angeboten werden kann, allerdings auch sehr schnell vergilbt.

Und schwupps haben wir aus dem Baum, der am Anfang noch friedlich im Wald stand, einen Faserstoff erzeugt, der nun in weiteren Schritten aufbereitet werden muss.

Doch der Baum im Wald stellt nicht den einzig möglichen Eingangsstrom in diesen Papierherstellungsprozess dar. Was ist schließlich mit dem Inhalt aller blauen Tonnen dieser Welt? Dem Altpapier?

bild-3Bei der Verarbeitung von Altpapier in einen aufzubereitenden Faserstoff sind zunächst einmal andere Prozesse als bei der Verarbeitung von frischem Holz nötig. Die gepressten Massen aus alten Zeitungen, aufgerissenen Kartons oder Verpackungen müssen im ersten Schritt im sogenannten Pulper*3 aufgelöst werden.

*3 Unter einem Pulper versteht man einen großen Rührbottich, der in der Papier-, Karton- oder Pappenindustrie genutzt wird, um Altpapier oder Zellstoff aufzulösen. Er funktioniert wie ein übergroßer Mixer […]

(Seite „Pulper“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 24. Juli 2015 um 12:37 Uhr)

Da nicht jeder das Thema Mülltrennung ernst nimmt und es auch ungewollt immer mal wieder zu Unschlüssigkeiten bei der Wahl der Tonnenfarbe kommt, müssen die Komponenten im nächsten Schritt sortiert und diejenigen, die definitiv kein Altpapier sind, entfernt werden, so zum Beispiel Folie, kleine Steinchen, Büroklammern, Kleber, usw.

Im Anschluss erfolgt das De-Inken. Beim De-Inken werden grob gesagt die Druckfarbenreste, die noch an den Fasern haften, entfernt, wodurch die optischen Eigenschaften des entstehenden Papiers aufgewertet werden.

Der Altpapiermasse wird dabei Natronlauge beigemischt, wodurch die Fasern zu quellen beginnen und der vorhandene Druckfarbenfilm brüchig wird und abplatzt. Die zugegebenen Tenside lagern sich nun an der Druckfarbe an und ziehen diese von der Papieroberfläche ab. Im Anschluss daran lässt man Luft in den Behälter einströmen. Diese Luft fungiert als eine Grenzfläche, an der sich die Tenside (weil diese sogenannte grenzflächenaktive Stoffe sind) anhaften. Nicht zu vergessen: Die bereits vom Papier abgelöste Farbe haftet ebenfalls an den Tenside.

Weil die Luft natürlich nach oben steigt, werden die anhaftenden Tenside mit der Druckfarbe ebenfalls wie mit einem Fahrstuhl automatisch an die Oberfläche transportiert, wo sich diese als Schaum an der Oberfläche ablagert und abgetragen werden kann.

Im vorerst letzten Schritt, bevor wir auch aus dieser Prozesskette einen Faserstoff erhalten, muss die Oberfläche der Sekundärfaser*4 noch gemahlen werden, wodurch die Oberfläche der Faser erneuert werden soll, damit eine stabilere Verbindung mit anderen Fasern eingegangen werden kann.

*3 Baum aus dem Wald = Primärfaser

Altpapier aus der Tonne = Sekundärfaser

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