PhotoDirector vs. Snapseed

Lesedauer: ca. 5 Minuten

Nach langer Pause unserer Rubrik »Bildbearbeitung für unterwegs«, haben wir nun gleich zwei bekannte Apps getestet und verglichen. Beide Apps sind kostenfrei für, Android und iOS-Geräte über den jeweiligen Store erhältlich. Getestet wurden die Apps mit einem Samsung Galaxy S6 (SM-G920F).

 
CyberLink (vielen bekannt durch die Wiedergabe-Software »PowerDVD«) ist der Entwickler der App »PhotoDirector«, welche hier als erstes begutachtet werden soll. Die Marke CyberLink wurde 1996 gegründet. Ursprünglich als studentisches Projekt der National Taiwan University unter der Leitung von Prof. Jau Huang, welcher noch heute CEO von CyberLink ist.

Usability
Im Hauptmenü des PhotoDirectors steht man zunächst vor der Wahl, ob man ein Foto bearbeiten, eine Collage erstellen oder ein Foto aufnehmen möchte. Wir starten mit der Bearbeitung eines Fotos. Dazu wählt man ein Bild ganz gewöhnlich aus der eigenen Galerie oder einem Cloud-Speicher aus. Sämtliche Tools und Einstellmöglichkeiten befinden sich nun am unteren Rand des Bildschirms. Die Masse an Tools ist zwar erfreulich, jedoch ist das ganze recht unübersichtlich und zusammenhanglos platziert. Eine gewisse Hierarchie und etwas Ordnung in Untermenüs wäre hier wünschenswert. Aufgrund der gut gewählten und verständlichen Icons gelingt die Navigation dann aber doch recht intuitiv und flüssig. Die Bedienung der einzelnen Tools ist weitgehend selbsterklärend. Bei filigraner Bearbeitung von Bildelementen (wie z.B. beim Entfernen-Tool) wird der zu bearbeitende Bereich in einer kleinen, aufblendenden Lupe angezeigt, was die Bearbeitung hervorragend erleichtert. Hat man sein Bild mit tollen Effekten und Filtern aufgewertet (wovon vieles auch nur Spielerei ist), kann man das Bild speichern und direkt in den sozialen Medien teilen, oder aber eine Collage anfertigen. Doch vorher wird man noch mit etwas Werbung ›beglückt‹. Diese wird gern mal in Kernbereichen eingeblendet, was ziemlich stören kann.
Im Collage-Modus können höchstens sechs Fotos ausgewählt werden, die dann auf einer Vielzahl von Templates automatisch drapiert werden. In der freien Version wird hierbei ein Wasserzeichen angezeigt. Nach dem Speichern folgt auch hier wieder eine Werbeeinblendung.
Mit Öffnen des Kamera-Modus wird gleich eine nicht unerhebliche Inkonsistenz ersichtlich. Die verwendeten Icon und die Oberfläche sind anders gestaltet als der Rest der App. Zudem wirkt das Ganze hier viel aufgeräumter, was als Vorbild für die anderen Modi herhalten sollte. Schon hier lassen sich bestimmte Effekte und Filter einstellen, was nicht unbedingt nötig ist und wieder nur zu viel Unruhe auf der Oberfläche bringt. Irritierend ist auch, dass ein Filter namens ›Natürlich‹ voreingestellt ist und nicht das Originalbild. Im Großen und Ganzen bietet dieser Modus eine guter Bedienbarkeit, die besser und intuitive vonstatten geht, als im Bearbeitungs-Modus.

Bearbeitungsmöglichkeiten / Besonderheiten
Neben den Grundelementen wie der Darstellung im Histogramm, Tonwertkorrektur mittels Gradationskurve oder Weißabgleich, gibt es noch einige andere erwähnenswerte Tools, die mal gut, mal weniger gut funktionieren. Überraschend genau (je nach Motiv) hat die sog. smarte Objektentfernung funktioniert, mit der bestimmte Bereiche/Objekte eines Motivs wie von Zauberhand verschwinden. Zudem lassen sich Effekte wie Rahmen, Sticker und die Implementierung des eigenen Bildes auf ein vordefiniertes Bild (z.B. das eigene Konterfei auf die Seite einer Straßenbahn) zuschalten und erweitern.
Der Aufnahme-Modus bietet die Möglichkeit via Gesichtserkennung und Gestensteuerung den Auslöser zu betätigen. Die Gestensteuerung funktioniert wunderbar, indem man dem Smartphone zuwinkt. Leider hat die Gesichtserkennung nicht funktioniert.

Information / Kosten
Mit einer Menge intergrierter YouTube-Hilfevideos lassen sich viele Anwendungsmöglichkeit schnell erlernen. Auch über die App hinaus bietet CyberLink einen ansprechenden Service mit FAQs und Support auf der Homepage.
Ungefähr 117MB Speicher benötigt die App auf dem Smartphone, hat über 10 Mio. Downloads in Google PlayStore und beinhaltet In-App-Käufe, welche preislich zwischen 2,19€ und 5,99€ liegen.
Eine Premiumversion bringt dabei nicht wirklich einen Mehrwert. So besteht der Vorteil einzig darin, dass keine Werbung mehr angezeigt wird, dass das Wasserzeichen bei Collagen und Rahmen wegfällt und das die Auflösung erhöht werden kann.

PC_anleitung
Videoanleitungen (inkl. Werbung – Screenshot)

 

Snapseed wurde ursprünglich von dem Hamburger (mittlerweile San Diego, USA)  Unternehmen Nik Software entwickelt. Nik Software hat zunächst vorwiegend Plug-Ins für Photoshop programmiert und wurde 2012 von Google aufgekauft. Somit gehört auch Snapseed seit 2012 zu Google.
By the way: Bei Google kann man ein Paket aus sehenswerten Photoshop- und Lightroom-Plug-Ins downloaden, welche von Nik Software erstellt wurden.

Usability
So simpel wie die Website von Google, mit dem Suchschlitz im Zentrum, gestaltet ist, kommt auch der Startbildschirm von Snapseed daher. Man hat eigentlich nur zwei Möglichkeiten um nach dem Öffnen der App fortzufahren. Entweder man öffnet das Burgermenü oben rechts und schaut sich wunderbare Tutorials an, oder man öffnet ein Bild indem man auf ein großes Plus in der Mitte tippt. Wurde ein Bild aus der Galerie ausgewählt, gibt es drei mögliche Buttons am unteren Rand und somit drei weitere Möglichkeiten. Man passt sein Bild mit schon gespeicherten oder bereits vorhandenen Templates (Looks) automatisch an, man exportiert das Bild oder man wählt aus eine ordentlichen Palette von Tools. Dazu schiebt sich ein Fenster vor das gewählte Bild und man kann in Ruhe das gewünschte Tool wählen. Alles wirkt überaus aufgeräumt, reduziert und strukturiert, sodass man sich zwangsläufig und intuitiv zurechtfindet. Trotz einen ähnlichen Umfang an Tools, wie es auch der PhotoDirector bietet, bleibt ein homogene Navigation auf jeder Ebene erhalten, was wohl auch an der durchgängigen Konsistenz in der Gestaltung liegt. Sehr angenehm ist die mehrdirektionale Steuerung der einzelnen Tools. So wählt man per Auf- und Abwischen über das Bild z.B. Kontrast, Sättigung oder Helligkeit. Wischt man dann hingegen nach rechts oder links, erhöht oder verringert man die Intensität der gewählten Tooleinstellung. Diese Art der Bedienung ist beim ersten Mal etwas ungewohnt, aber man gewöhnt sich innerhalb von Sekunden daran.
Im Ganzen ist in Sachen Bedienbarkeit bei Snapseed nichts auszusetzen.

Bearbeitungsmöglichkeiten / Besonderheiten
Generell ist Snapseed für fortgeschrittene Nutzer konzipiert. Deshalb bietet die App neben der Verarbeitung des JPG-Formats, auch die Möglichkeit Rohdaten (RAW) von Kameras zu bearbeiten. Lädt man eine RAW-Datei (im Test war es Nikons NEF) öffnet sich prompt das Tool mit relevanten Standardwerkzeugen. Die Filter und Effekte wurden sehr schön ausgewählt und bieten eine hervorragende Qualität. Grundsätzlich ist die App qualitativ hochwertig, was sich auch bei detaillierter Feinarbeit zeigt.
Die App bietet ausschließlich eine Bearbeitung von Fotos. Es gibt keine Aufnahme- oder Collage-Funktion.

Information / Kosten
Wie schon erwähnt gibt es aussagekräftige Tutorials zu diversen Tools und Bearbeitungsmöglichkeiten, die auch als Inspirationsquelle genutzt werden können. Außerdem gibt es einen eigenen Snapseed-Kanal auf YouTube und die gängigen Support-Funktionen, welche sich über die App aufrufen lassen.
Nicht nur im User Interface macht Snapseed eine gute Figur, auch auf dem Smartphone-Speicher wiegt sie nur ungefähr 54MB.
Da es sich um eine Google-App handelt, gibt es keine Werbung und auch In-App-Käufe sind ausgeschlossen. Sicher auch ein Grund weshalb sie über 50 Mio. mal herruntergeladen wurde.

SS_anleitung
Tutorials (Screenshot)

 

Fazit
Beide Apps unterscheiden sich geringfügig in ihren Möglichkeiten der Bearbeitung, aber enorm in ihrer Usability. Der Bearbeitungs-Modus des PhotoDirectors wirkt gleich sehr überladen und unübersichtlich, teilweise sogar kitschig, aufgrund der Farbgebung. Kitschig erscheinen hier auch einige Tools, aber das ist Ansichtssache. PhotoDirector ist eine gute Wahl für Nutzer die ein Bild schnell mit einem akzeptablen Ergebnis bearbeiten wollen. Hier wird dem Nutzer auch jede Menge spaßigen Kokolores geboten, wohingegen Snapseed mit seiner reduzierten Bauhaus-Struktur und mehr Möglichkeiten in Sachen professionellem Feintuning an ein fortgeschrittenes Foto-Publikum tritt.

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