Ein Wenig Leben

Lesedauer: ca. 3 Minuten

In der nächsten Woche wird die neue Printausgabe des Streifband erscheinen. Um die Wartezeit bis dahin etwas zu versüßen, gibt es neues aus der Rubrik Pick-A-Book. Diesmal stellt euch Max den Roman »Ein wenig Leben« von Hanya Yanagihara vor. Max ist selbst ein begeisterter Schreiberling – sein aktuelles Buch: »Das Leben in Technicolor« – und an der HTWK Leipzig zur Zeit für den Facebook-Auftritt des Studiengangs Buch- und Medienproduktion zuständig.

 

Viel zu oft kann man auf dem Rücken von Büchern lesen: »Must read!« – »Die Sensation des Jahres!« oder weitere Iterationen desselben Satzes. Zumeist handelt es sich dabei lediglich um leere Worthülsen, die abgedruckt werden, um dem aktuellen Projekt einen Aufwind zu verleihen, bevor es sich auf dem toughen Buchmarkt bewähren muss. Wen finden wir also auf der Rückseite dieses Romans aus dem Jahr 2016? FAZ, die Süddeutsche, ZDF Aspekte, den Stern, die Zeit und noch weitere mehr. Eine beeindruckende Sammlung, die die deutsche Leserschaft sichtlich beeindruckte. Sie schrieben Sachen wie: Ein Kunststück, Meisterhaft, oder auch Erweitert den Raum dessen, was Liebe sein kann.

Warum schreibe ich davon, was andere über den Roman schrieben? Vielleicht weil dies einer der seltenen Fälle ist, in denen die Lobeshymnen aufgrund ihrer professionellen Distanz noch zu wenig des Guten sind.

»Ein wenig Leben« begleitet die Geschichte von vier Freunden aus Collegezeiten. Jeder der vier trägt sein eigenes Paket mit sich herum. Ängste und Sorgen, Hoffnungen für die Zukunft und natürlich auch die Geheimnisse der Vergangenheit, als sie sich alle noch nicht kannten und noch keine Freunde fürs Leben waren. Auf beinahe tausend Seiten wird das Porträt einer Freundschaft gezeichnet, wie ich es bisher noch nicht lesen durfte. Man taucht ein und so schnell nicht wieder daraus hervor. Raum und Zeit sind nur Nebensächlichkeiten, mit denen sich die Autorin nicht beschäftigt – für sie zählen nur ihre vier Charaktere, ihre Ecken und Kanten und was das Leben aus ihnen macht. Ein Beispiel? Im Laufe des Romans vergehen ungefähr 30 Jahre. So lange begleitet man die Figuren auf ihren verschiedenen Wegen. Startete die Geschichte im Jahr 1980? Im Jahr 2016? Darauf gibt es im ganzen Buch keinen einzigen Hinweis, denn es spielt keine Rolle. Was für Yanagihara zählte, sind nur die Charaktere, die ihr New York bewohnen.

Auch wenn es anfangs schwer fällt, sich in dem Wust aus Freunden und Freundesfreunden zurecht zu finden, kann man schon bald nicht mehr loslassen. Man versinkt regelrecht in ihrer Welt, lebt scheinbar kurz selbst in diesem verschneiten New York und behaust die unzumutbare Bruchbude, die Jude und Willem – Die ›geheimen‹ Hauptpersonen der Geschichte – zusammen bewohnen. Anfangs ertappt man sich häufig bei der Frage, warum die Charaktere so handeln, wie sie handeln, doch sobald man einen Blick in ihre Vergangenheit werfen durfte, erklärte sich alles wie von selbst. Es fühlt sich bald nicht mehr an wie ein Roman, sondern wie ein echtes Leben von vier Freunden, das jemand niedergeschrieben hat. Es ist schön – in seinem ursprünglichsten Wortsinn – es ist witzig und es ist traurig – so weit, dass es beim Lesen wehtun kann. Die Faszination die dieses Werk ausmacht, ist schwer in Worte zu fassen. Man muss es gelesen haben, um mitreden zu können. Und wenn man es tut, dann hört es sich an, als würde man von alten Freunden erzählen.

Über den Inhalt hinaus ist das Hardcover gut gelungen. Ein hochwertiger Schutzumschlag mit faszinierendem Cover (das in jedem Buchladen sofort auffällt), eine schlichte Rückenprägung und schönes Vorsatzpapier. Oben drauf kann man das Buch gratis auf seinem Handy weiterlesen, wenn man es einmal nicht mitnehmen möchte.

    

Es ist jetzt ein halbes Jahr her, dass ich Hanya Yanaghiaras »Ein wenig Leben« las und von Zeit zu Zeit denke ich immer noch an die Personen, die diesen Roman bevölkern. Wenn mich jetzt jemand fragt, ob ich ihm ein Buch empfehlen kann, dann muss ich nicht nachdenken.

Hanya Yanagihara, »Ein wenig Leben«, erschienen bei Hanser Berlin im Jahr 2016.

 

Was haltet ihr von dem Buch und dem vergangenen Hype darum?

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Unrivaled – Gewinnen ist alles

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Der Mai hat nun schon ein paar Tage hinter sich, macht aber sicher dennoch alles neu. Wenn nicht, übernehmen wir das halt. Ab heute starten wir mit einer neuen und regelmäßig erscheinenden Rubrik in der Studierende der HTWK Leipzig ihr persönlich favorisiertes literarisches Werk vorstellen. Den Anfang macht die liebe Caro mit einem Roman von Alyson Noël. Caro ist in unserem Team für den Satz zuständig und erstellt immer fleißig die Protokolle der Redaktionsmeetings.

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Der Roman „Unrivaled- Gewinnen ist alles“, geschrieben von Alyson Noël wurde im Mai 2016 bei Harper Collins Germany veröffentlicht. Die englischsprachige Originalausgabe wurde Anfang 2016 bei Harper Collin Publishers in Nordamerika veröffentlicht. Der Roman wird in das Genre „Young Adult“ eingeordnet und ist an Leser zwischen 14 und 25 Jahren gerichtet.

 

Inhalt:
Der Clubbesitzer Ira Redman veranstaltet einen Wettstreit, um seine Unrivaled Clubs noch beliebter zu machen. Dazu werden verschiedene Jugendliche als Promoter für drei Clubs eingeteilt. Ziel des Wettstreits ist es möglichst viele Besucher, vor allem aber Stars und Berühmtheiten in die Clubs zu locken. Dem Gewinner erwartet ein großer Geldbetrag.
Die Nachricht über diesen Wettstreit erreicht drei sehr unterschiedliche Jugendliche, die verschiedene Ziele verfolgen.
Layla möchte Journalistin werden und erhofft sich ihr Studium durch den Gewinn zu finanzieren. Nebenbei betreibt sie einen Promi-Gossip-Blog. Durch die Arbeit im Club hofft sie ihren Blog beliebter zu machen und zusätzlich ihre Leser in ihren Club zu locken.
Aster ist ein Mädchen aus reichem Elternhaus. Sie träumt von einer Karriere als Schauspielerin und sieht diesen Wettstreit als Sprungbrett an. Allerdings darf ihre Familie nichts von all dem wissen, denn die hat ganz andere Pläne für Aster.
Tommy ist nach Hollywood gegangen, um seinen leiblichen Vater kennenzulernen. Sein Vater ist kein geringerer als Ira Redman selbst. Tommy versucht zu beweisen, dass er erfolgreich sein und den Wettstreit gewinnen kann.

Woche um Woche kämpfen die insgesamt 12 Teilnehmer des Wettstreits um Punkte. Je mehr Besucher man in seinen Club lockt, umso mehr Punkte erhält man. Der Teilnehmer mit den wenigsten Punkten fliegt am Ende der Woche aus dem Wettstreit.
Die Wege der drei Jugendlichen kreuzen sich, denn sie alle haben es geschafft und nehmen am Wettstreit teil.
Schnell wird klar, dass die Aufgabe nicht einfach ist und die Teilnehmer beginnen mit allen Mitteln zu kämpfen, um Berühmtheiten wie Madison Brooks und Ryan Hawthrone in ihre Clubs zu locken. Denn in der Glitzerwelt von L.A. ist nichts so wie es scheint.

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Kritik:
Das Buch ist ein absoluter Eyecatcher. Es wirkt sehr edel und glamourös. Das Cover verrät mit seiner Gestaltung in Schwarz und der halb vergoldeten Erdbeere sehr wenig über Inhalt oder Thema des Romans. Das weckt natürlich die Neugier und macht Lust zu lesen, denn auch der Klappentext verrät noch nicht viel über das Geschehen des Buches.

Der Roman ist überraschend leicht und locker geschrieben, sodass man kaum merkt wie die Seiten dahinfliegen. Die Charaktere sind vielschichtig und überraschen den Leser immer wieder aufs Neue. Der Leser wird zu Beginn der Geschichte direkt ins Geschehen geworfen. Es entstehen viele Fragen, gleich im ersten Kapitel. Dann werden die drei Hauptakteure vorgestellt. Die Fragen, die beim Lesen entstehen bleiben daraufhin eine ganze Zeit ungeklärt. Jedes Kapitel beschreibt die Geschichte aus Sicht von einem der Protagonisten. Zwischendurch tritt auch immer wieder Madison Brooks, eine Hollywoodberühmtheit in Erscheinung. Die Geschichte birgt viele überraschende Wendungen, die den Leser immer wieder auf neue Aspekte der Geschichte stoßen lassen. Schlussendlich laufen dann aber alle Fäden zusammen und der Roman endet genauso unvermittelt wie er begonnen hat. Dieser Cliffhanger am Ende der Geschichte wirft wiederum neue Fragen auf und man kann nicht anders als weiterlesen zu wollen. Allerdings ist der zweite Teil dieser Reihe noch nicht auf Deutsch verfügbar und ein Veröffentlichungsdatum wurde auch noch nicht bekannt gegeben. Man muss sich also in Geduld üben und kann nur hoffen, dass uns Harper Collins nicht mehr allzu lang auf die Folter spannt.

Alyson Noël ist eine ziemlich bekannte Autorin und mit Romanen wie „Evermore“ oder „Soul Seeker“ eher für mystische Fantasy-Romane bekannt. Ihr Schreibstil ist zwar wiedererkennbar, jedoch bewegt sie sich mit diesem Roman und der darin erzählten Gesichte auf einem ganz neuen Gebiet. Dadurch wird der Roman wesentlich schneller im Tempo der Geschichte und auch viel unvorhersehbarer.

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Was haltet ihr von der Geschichte und wie gefällt euch der erste Pick-A-Book-Beitrag? 

Report – Leipziger Buchmesse 2017

Lesedauer: ca. 6 Minuten

23.03.17

Strahlend lächelnde Gesichter, die Wärme des Sonnenscheins in den Hallen, eine leichte Brise Schweißgeruch vom Vordermann, stoisches mitschwimmen im Strom der Massen, und das Beste was man aus Nadelhölzern drechseln kann. Überall duftende Bücher und 285.000 Besucher, die 2.439 Aussteller ihre Aufmerksamkeit schenken wollten. Und das, trotz des exquisiten Wetters.

 

Schon die ersten Vorträge, Lesungen und Präsentationen waren in einer politischen Atmosphäre getaucht, welche sich über die ganze Messe (vom 23.03. bis 26.03.2017) zog. Umso erfreulicher ist es da, dass so viele Jugendliche, Kinder und Schulklassen die Messe besuchten. Allen voran wurde auch der Stand der HTWK mit großem Interesse begutachtet. Am eigenen Stand beginnt auch der Report zur #lbm17, mit der Prämierung des schönsten Buchprojektes durch den Carlsen-Verlag.Weiterlesen »